Paul Leidner - Ein Leben im Dienste der Familienforschung

Paul Leidner (1881 - 1971)

  Ein Leben im Dienste der Familienforschung


Der Oberlehrer Paul Leidner wurde am 30. Mai 1881 in Windischleuba als Sohn des Arztes Dr. Johann Jacob Paul Leidner und dessen Gattin Henriette Marie Wilhelmine geb. Rügemer geboren. Nach Schulabschluss des Friedrichgymnasiums in Altenburg besuchte er von 1899 bis 1904 das Herzogliche Lehrerseminar in Altenburg. Anschließend war er als Lehrer in Windischleuba tätig. 1909 wurde er nach Rasephas versetzt. Diese Schule, die später nach Kauerndorf verlegt und nach dessen Eingemeindung nach Altenburg Nordschule benannt wurde, war nahezu 40 Jahre sein Arbeitsplatz. 

Bereits am Ende seiner Studienzeit begann er, die in seiner Familie vorhandenen familiengeschichtlichen Dokumente zu ordnen und eigene Forschungen durchzuführen. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn suchte er Kontakt zu

gleichgesinnten Hobbyfamilienforschern. Das Verzeichnis der Mitglieder des „Roland“, Verein zur Förderung der Stammkunde in Dresden (gegründet 1902), vom Jahre 1907 weist neben sechs anderen Altenburgern ihn als Mitglied aus. Auch seine erste bedeutende Veröffentlichung fällt in diese Zeit: Paul Leidner, Stammtafel der Familie Leidner, Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien Band 12 , 1906.

 

Am 1. Juli 1910 vermählte sich Paul Leidner mit der Bauerntochter Wally Erler. Nach ihrem Tode 1938 ging Paul Leidner am 27. Juli 1940 eine zweite Ehe mit Johanna Elisabeth Fischer aus Serbitz ein.

Der 1. Weltkrieg ließ dann die Familienforschung in den Hintergrund treten. Paul Leidner selbst war aus gesundheitlichen Gründen nur kurze Zeit beim Militär. Nach dem 1. Weltkrieg erlebte die Familienforschung eine neue Blüte. Wir finden Paul Leidner unter den Mitgliedern des größten mitteldeutschen Vereins, der 1904 in Leipzig gegründeten „Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte e. V. “ Die verstärkten Aktivitäten auf dem Gebiet der Familienforschung und das Bedürfnis zum Zusammenkommen mit Trägern gleichen Namens führte zu Gründungen von Familienverbänden. Auch hier nahm Paul Leidner eine Vorreiterrolle ein: Er gründete am 15. Mai 1921 in Altenburg den „Familienverband Leidner“. Er führte seinen Familienverband vorbildlich. Die vorher mit der Schreibmaschine vervielfältigten Berichte des Familienverbandes erschienen ab 1935 in gedruckter Form unter dem Titel „Der Webschütze“. Das letzte Heft erschien im August 1971. Die Hefte sind auch heute noch ein unerlässliches Nachschlagewerk für jeden, der im Altenburger Land forscht. 1926 bildete sich die Familiengemeinschaft Lory und im gleichen Jahr der Nitzsche-Nitzsche Verband, der Doppelname deshalb, weil es sich um 2 getrennte Familien handelte. 1927 der Familienverband der Nachkommen des Ratsverwandten Wolfgang Hempel aus Dippoldiswalde

(deren Nachkommen teilweise in Altenburg lebten).

Seine führende Stellung unter den Altenburger Familienforschern wird dadurch unterstrichen, dass er im November 1928 zusammen mit diesen Familienverbänden sowie den Familienforschern Kuno Apel, Knau, und Philipp Quaas, Ehrenhain, die „Arbeitsgemeinschaft Altenburger Familienverbände und Freunde der Familienforschung“ gründete. Dieser Arbeitsgemeinschaft traten später noch weitere Familienverbände bei. 1939 zählte die Arbeitsgemeinschaft über 80 Mitglieder. Paul Leidner war ihr Vorsitzender bis zu ihrer, von der Sowjetischen Militärverwaltung 1945 angeordneten, Auflösung. Mit der Gründung dieser Arbeitsgemeinschaft von Familienverbänden wurde letztlich eine höhere Qualität in der Familienforschung erreicht. Das letztere kann nicht hoch genug bewertet werden. Das Jahr 1945 bedeutete keineswegs das Ende der Forschungen von Paul Leidner. Er baute eine intensive persönliche Zusammenarbeit zu den bekannten Familienforschern Dr. Friedrich Kühlhorn in München, Eckhard Mittenzwei in Wurzen, Dr. Horst Nerlich in Altenburg und Gerhard Porzig in Kotteritz auf, mit denen er durch gemeinsame Ahnen verbunden war.

 

Am 4. Dezember 1971 verstarb nach achtwöchiger schwerer Krankheit Paul Leidner im Alter von 90 ½ Jahren.

 


 

Anlässlich der Jahrestagung 2003 der AMF gedachte der Arbeitskreis „Altenburger Land“, der im gleichen

Jahr auf sein 5jähriges Bestehen zurückblicken konnte, den 75. Jahrestag der Gründung der genannten

Arbeitsgemeinschaft mit einer Würdigung der Verdienste von Paul Leidner.

Karlheinz Weidenbruch

Bild oben:  Privatarchiv Weidenbruch

Bild unten: Privatarchiv Prechtl