Karlheinz Weidenbruch - ein Altenburger Familienforscher

Karlheinz Weidenbruch – ein Altenburger Familienforscher

geboren 12. 02. 1936 in Altenburg

Am 6. November 2012 hat Weidenbruch in der Zusammenkunft des AMF-Arbeitskreises „Altenburger Land“ (AK) erklärt, dass er die Leitung des AK zum Jahresende abgeben wird.  Insider waren davon nicht überrascht. In den letzten beiden Jahren hatte sich sein Gesundheitszustand verschlechtert. Er war bereits seit 1982 Diabetiker und hatte damit zunehmend Probleme.

Weidenbruch hat sich bereits frühzeitig für Familienforschung interessiert. Er war 14 Jahre alt und hatte gerade die Lehre als Elektromonteur begonnen, als sein Vater starb. Als ältester Sohn musste er den Nachlass seines Vaters mit durchsehen. Die vom Vater hinterlassenen familiengeschichtlichen Aufzeichnungen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Jahrzehntelang war aber danach an Familienforschung nicht zu denken. Eine Berufsausbildung als zweifacher Ingenieur (Nachrichtentechnik und Starkstromanlagenbau) brachte ihn in verantwortliche Funktionen, die keine Zeit für ein solches Hobby gelassen haben.

Die Wendezeit zwang Weidenbruch in den sogenannten Vorruhestand zu gehen. Es war die Zeit vorhanden, Truhen und Schränke durchzusehen. Erneut stieß Weidenbruch auf einen genealogischen Nachlass. Dieses Mal war es die „arische“ Ahnentafel seines Schwiegervaters mit allen zugehörigen Unterlagen. Da kam der Gedanke auf, ausgehend von seinen drei Kindern als Probanden, alle Unterlagen zu einer Familienchronik zusammen zu führen.  In dieser Zeit kam es zu „genealogischen“ Gesprächen mit seinem „Hausarzt“, den Familienforscher Dr. Hans-Joachim Kretschmar. Dieser führte Weidenbruch erst in die Leipziger Genealogische Gesellschaft und später in die AMF ein. Gemeinsam übten Horst Hesse, damals verantwortlich für die Arbeitskreise in der AMF, und Dr. Kretschmar einen sanften Druck auf Weidenbruch aus, einen Arbeitskreis in Altenburg zu gründen. Die ersten Zusammenkünfte fanden Mitte 1996 statt. Am 1. Januar 1997 erhielt Weidenbruch die Berufungsurkunde als Leiter des Arbeitskreises „Altenburger Land“ (AK). Seit 16 Jahren leitet er den Arbeitskreis ununterbrochen. Von Anfang an wurden die Zusammenkünfte in Form von Niederschriften dokumentiert. Erfasst wurden darin die Teilnehmer, die Kurzfassung der Beiträge,  wichtige Informationen  und die Anfragen. Der AK hat heute einen Besucherstamm von 35 bis 40 Personen aus dem Altenburger Land und dem näheren Umkreis. Hinzu kommen rund 60 Personen, welche in ganz Deutschland ihren Wohnsitz haben. Diese erhalten die Niederschriften und Anfragen per E-Mail und können dadurch am Leben des AK teilnehmen. Von Beginn an war der AK für alle – nicht nur für AMF-Mitglieder – offen. Die einzige Bedingung, sie ist es auch heute noch, ist die uneigennützige Teilnahme am Erfahrungsaustausch. 

Ausgehend von seinen beruflichen Erfahrungen bei Patentrecherchen vertrat Weidenbruch die Auffassung, „man soll nicht noch einmal das erforschen, was bereits erforscht ist“.  Über die Deutsche Bücherei (Nationalbibliothek) stieß er dabei schnell auf die Zentralstelle für Genealogie (Sächsisches Staatsarchiv). Aber auch das Thüringische Staatsarchiv Altenburg erwies sich fündig bei der Erfassung  der Stammtafeln der Altenburger Bauern. Diese Erfassung war dann auch die erste größere kollektive Leistung des AK. Gleichbedeutend war die Erarbeitung eines Findbuches zum Nachlass von Paul Leidner, welchen er selbst noch dem Thüringischen Staatsarchiv übergeben hatte.

Von dem vorgenannten Forscher Dr. Kretschmar erhielt Weidenbruch Kopien genealogischer Arbeiten von Wilhelm Ruhland, Hertha Riem und Alfred Maschke. Der Wunsch, diese als gedruckte Nachschlagewerke heraus zu bringen, brachte Weidenbruch mit der Stiftung Stoye zusammen. Anfangs als Kurator dort tätig, war er dann bis Mai 2012 etliche Jahre der Vorsitzende des Kuratoriums dieser Stiftung. Hier unterstützte er die Herausgabe genealogischer Werke zum Altenburger Land. Über das Forschungsgebiet des AK hinaus sind die Häuser- und Bürgerbücher beliebte Nachschlagewerke für Familien- und Heimatforscher geworden. Zuletzt kam als Band 56 die Nerlich-Kartei in diesem Jahr heraus.

Höhepunkte in der Arbeit des AK war 2003 die Organisierung der Jahreshauptversammlung der AMF in Altenburg, sowie die Festveranstaltung am 17. März 2007 im Logenhaus in Altenburg mit dem Thema: „10 Jahre AMF-Arbeitskreis Altenburger Land“. Bei solchen Anlässen betonte Weidenbruch ständig, dass die Altenburger Familienforschung eine lange Tradition hat und wir quasi den Stafettenstab der vorangegangen Generationen weiter tragen müssen.

Neben seinen ehrenamtlichen Ämtern fand Weidenbruch die Zeit zur Veröffentlichung persönlicher Forschungsergebnisse. Dabei versuchte er stets, komplexe Zusammenhänge zu häufig vorkommenden Namen im Altenburger Land wie Kröber, Graichen und Köhler darzustellen. Wir kennen etwa 80 Veröffentlichungen aus den letzten 17 Jahren.  

Karlheinz Weidenbruch hat durch seinen unermüdlichen Einsatz den Arbeitskreis "Altenburger Land" profiliert und zudem auch über die Grenzen des Altenburger Landes hinaus bekannt gemacht. Familiäre Verpflichtungen und seine eigene Forschungarbeit mußte er oft zurückstellen.. Die Mitglieder des Arbeitskreises sind ihm für all das, was Karlheinz Weidenbruch geleistet hat dankbar. Nicht ganz uneigennützig wünschen wir ihm noch viele schöpferische Jahre bei unserem gemeinsamen Hobby, der Familienforschung.

Dr. Siegmar Theil ( im Namen des AK "Altenburger Land")