Hans Conon von der Gabelentz - Gelehrter und Staatsmann

Hans Conon von der Gabelentz (1807 - 1874)

Gelehrter und Staatsmann

 

Unweit von Windischleuba, eingebettet von Wiesen und einem schönen Park, liegt das  Dörfchen Poschwitz; einst zu Windischleuba gehörend. Obwohl das Dorf klein ist, hat es eine lange Geschichte zu erzählen. Seit 1388 saß die Familie von der Gabelentz auf dem Schloss in Poschwitz und aus diesem Geschlecht gehen die verschiedensten Persönlichkeiten hervor. 1938 wurde das 550 jährige Bestehen der Familie würdevoll begangen. Die Altenburger Zeitungen berichteten darüber ausführlich. In selben Jahr wurde der Ort nach Altenburg eingemeindet, kirchlich aber weiter von Windischleuba betreut. Nach dem letzten  Krieg wurde auch diese Familie enteignet und sie mussten Haus und Hof mit wenigen Habseligkeiten verlassen. Der Zahn der Zeit nagte nun in all den Jahren an den Gebäuden und heute befindet sich Schloss und Wirtschaftshof in einem traurigen Zustand. Vor Jahren wurden die Teiche und der Park in einenordentlichen Zustand gebracht. Heute sieht man nicht mehr all so viel davon. Im Jahre 2007 wurde nun der Sprachwissenschaftler Hans Conon von der Gabelentz erneut, anlässlich seines 200. Geburtstages geehrt, und aus diesem Anlass lud die Stadt Weida zu einer Sonderausstellung und zu einem Kolloquium (13.10.) auf die Osterburg ein. Auch die Geschichts– und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes gedachte seiner in einer Sonderveranstaltung. 1838 wurde dieser Verein durch Geheimrat Dr. Back ins Leben gerufen und Hans Conon war einer der Gründungsmitglieder. Bis zu seinem Tode blieb er dem Verein treu. Hier hielt er wissenschaftliche Vorträge über seine Heimat, die in den Hans Conon war nicht nur Besitzer des Schlosses Poschwitz, sondern auch einer der größten Sprachwissenschaftler seiner Zeit. Er war der einzigste Sohn in 2. Ehe des Altenburger Kanzlers Hans Carl Leopold  von der Gabelentz und der Johanne Marianne Auguste von Seebach. Mit dem Windischleubaer Pfarrer Wagner  und dem Lehrer Hupel verbrachte er viele Stunden. Die Geschichte der Heimat war ihnen wichtig und es wurde vieles für die Nachwelt aufgeschrieben. Durch seine Bescheidenheit, Güte und Wärme hatte er ein sehr gutes Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung und für Jedermann ein nettes Wort übrig. Als 1848 die Revolution in Altenburg seinen Lauf nahm, konnte er die aufgebrachte Menschenmenge zur Ruhe bringen.1848 vertrat er die Thüringer Staaten im Parlament, wurde Altenburger Staatsminister und war Weimarischer Landmarschall. 1855 wurde ihm der Titel eines „Wirklichen Geheimen Rates“ verliehen. Es wird berichtet, dass er nie Sprachwissenschaften studiert hat, war aber einer der hervorragernsten Sprachwissenschaftler seiner Zeit, der über 80 Sprachen erforschte und einen großen Teil davon wissenschaftlich bearbeitet hat. Kirchenrat Löbe von Rasephas war einer seiner vertrautesten Freunde und mit ihm verband ihn eine tiefe Freundschaft. So oft es ging, besuchten sie sich gegenseitig. Mit ihm gab er die berühmte Ausgabe der Ulfilas heraus. Es war eine Ausgabe der gotischen Bibelübersetzung mit lateinischer Übersetzung und gotischen Glossar und Grammatik. Beide hatten sie gemeinsam durchforscht. Das Schwergewicht seiner Arbeit lag aber auf der Erforschung ostasiatischer, uralaltaiischer, nordamerikanischer und Südseesprachen. Ein häufiger Gast in Poschwitz war der Altenburger Staatsminister Bernhard August von Lindenau, der auch sein Oheim war, und ebenso waren viele Freunde der Wissenschaft gern gesehen. Sie kamen aus England, Russland, Sierra Leone, Ungarn, Schanghai, Japan, Manila, Frankfurt u.s.w. Reichlichen Briefverkehr führte er in alle Welt.

Zu erwähnen sei auch die große wertvolle Büchersammlung die in seiner Zeit aufgearbeitet und erweitert wurde. So manche Universität hat sich daraus Bücher geliehen. Nach der Enteignung des Rittergutes wurde diese nach Russland gebracht. Die Sinologen der Berliner Humboldt Universität führen Verhandlungen wegen der Rückgabe. Am 3.9. 1874 starb er auf seinem Besitz in Lemnitz an einer Lungenentzündung. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung  wurde Hans Conon von der Gabelentz am 7.9.1874 auf dem alten Kirchhof in  Windischleuba beigesetzt. Nach dem Tode seiner Frau bettete man ihn auf dem neuen Friedhof um.

Die verschiedensten Nachrufe in den Tageszeitungen, wissenschaftlichen Blättern und im Ausland wurden veröffentlicht.


Gabriele Prechtl

(gekürzte Fassung)