Dr. Hans-Joachim Kretschmar - Arzt, Heimatforscher und Genealoge

Dr. Hans-Joachim Kretschmar (1918 -1996)

Arzt Heimatforscher und Genealoge 


Am 1. Januar 2007 beging der AMF–Arbeitskreises  „Altenburger Land“ den 10. Jahrestag seiner Gründung.

Im Rahmen einer Festveranstaltung im März 2007 wurde neben den Forschungsleistungen anderer namhafter Familienforscher auch das Lebenswerk von Dr. Hans-Joachim Kretschmar gewürdigt. Er gehört mit zu den Initiatoren der Gründung unseres AK. Leider ist er vor 10 Jahren, am 13. 08. 1996 viel zu früh von uns gegangen. Er entstammt einer Altenburger Pfarrerfamilie und wurde am  24. Februar 1918 in Leesen geboren. Dr. Kretschmar studierte Humanmedizin in Jena (Physikum 1941) und Leipzig (Staatsexamen 1944) und eröffnete 1947 in Leipzig eine eigene Arztpraxis.

Noch im Krieg heiratete er Eva Kühne, Tochter eines Leipziger Studienrates. Nach eigenen Angaben hat Dr. Kretschmar bereits im 14. Lebensjahr mit der Erforschung der Geschichte seiner Familie begonnen. Im Laufe der Jahre konnte er als seinen ältesten Vorfahren, welcher seinen Namen trägt, den Bauer Thomas Kretzschmar ermitteln, welcher zwischen 1474 und 1501 in Niederwürschnitz verstarb.

Sehr früh pflegte Dr. Kretschmar den Kontakt zu gleichgesinnten Forscherfreunden. Als sich 1979 in der DDR bessere Möglichkeiten für die Genealogie eröffneten, wurde unter Leitung von Dr. V. Weiss in Leipzig eine Arbeitsgruppe Genealogie im Kulturbund gegründet, welche von Dr. Kretschmar aktiv unterstützt wurde.

Dr. Kretschmar hinterließ ein umfangreiches genealogisches und heimatkundliches Erbe, an dessen öffentlicher Erschließung unbedingt weiter gearbeitet werden sollte. Neben seinen eigenen Forschungen in den Gebieten seiner Vorfahren (vor allem Altenburger Land, Vogtland, Erzgebirge und dem Orlatal) hat er u. a. mehrere Karteien zu Wanderberufen (Müller, Förster, Schäfer) angelegt. Weiterhin beschäftigte er sich intensiv mit den Adelsfamilien u. a. „von Bühnau“ und „von Ende“, welche auch imAltenburger Land auftraten.

Im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig, Zentralstelle für Genealogie, finden wir seine Ahnenliste – auch im AK vorhanden – unter TAL 7822 (Kretschmar und Kühne). Seine Forschungen waren begleitet von intensiven Kontakten mit den Altenburger Familienforschern Oberlehrer Paul Leidner, Studienrat Rudolf Gerlach und Dr. Horst Nerlich. Stellvertretend seien aus seiner Ahnenliste folgende Namen seiner Ahnen im Altenburger Land genannt: Ahner, Baunack,  Erler, Fahr, Lincke, Naumann, Wolfram, Zimmermann und  Zetzsche.

 

Dr. Kretschmar unterstützte auch die Herausgabe eines Altenburger Häuserbuches und hatte intensiven Kontakt zu den Verfassern Wilhelm Ruhland und Hertha Riehm. Er erhielt von ihnen bereits in den 70er Jahren eine Kopie eines Manuskriptes. Seine Anmerkungen konnten in das 2005 erschienene Häuserbuch eingearbeitet werden. Als erfahrenerFamilienforscher erkannte Dr. Kretschmar den Wert der sogenannten „Volkszählung“, welche in dem Altenburger Amt im Jahre 1580 durchgeführt wurde. Er beauftragte den Chemnitzer Genealogen Alfred Maschke mit der Transkription dieses Dokumentes. Maschke wurde dabei unterstützt von dem Chemnitzer Familienforscher Rolf

Kaltofen (1920 – 1993). Die Ergebnisse dieser Transkription (ca. 5100 namentlich erfasste Personen in Altenburg und in 242 Orten) fasste Maschke unter dem Titel „Namen- und Ortsregister im Altenburg-Schmöllner Gebiet anno 1580“ zusammen. Das bisher unveröffentlichte Manuskript hat Frau Kretschmar den Altenburger Familienforschern zur weiteren Auswertung zur Verfügung gestellt. Der AMF - Arbeitskreis „Altenburger Land“ wird die Familienforschungsleitungen von Dr. Kretschmar im ehrenden Gedenken bewahren und sich für weitere Veröffentlichungen seiner Ergebnisse einsetzen.

Karlheinz Weidenbruch

Bild: Privatarchiv Weidenbruch